REZENSIONEN

Wunderbare Leichtigkeit

Die Oberbadische, 13.11.2016

Von Jürgen Scharf Lörrach. Es ist wie überall im Leben, es geht auch in der Eurythmie nicht ohne Humor. Jetzt hat sogar Erwin Lindemann zur Eurythmie gefunden – in einem bewegten Sketch nach Loriot. Diese erfrischend andere heitere Eurythmie, mit einem chaplinesken Tramp als Lottogewinner Lindemann, kam beim Gastspiel des Else-Klink-Ensembles am Martinstag im erfreulich gut gefüllten Burghof gut an. Schließlich war es ja auch der 11.11. Die lustigen Sachen von Loriot oder Robert Gernhardts botanisches (Weihnachts-)Drama „Der Baum nadelt“ wirkten als willkommene Auflockerung des ernsten Programmteils. Beide heiteren Choreographien wurden in „normalen“ Kostümen und nicht in den charakteristischen langen, wallenden Gewändern aufgeführt. In solchen Innovationen lässt sich die Eurythmie durchaus mit modernem Tanz vergleichen. Was sie sonst vom Tanz unterscheidet, ist die Objektivität. Das sah man beim Auftritt dieses Bühnenensembles des Stuttgarter Eurythmeums, dem einzigen größeren professionellen Eurythmieensemble in Deutschland. Zu Beginn lobte der künstlerische Leiter Benedikt Zweifel die Initiatorin Erika Hammer vom veranstaltenden Verein zur Förderung der Eurythmie Lörrach in den höchsten Tönen. Zweifel äußerte Gedanken zum Programm und zum Aufführungsort: Die Tänzer würden sich in Lörrach wie zu Hause fühlen. In dem Extraprogramm

mit Orchesterwerken und Sprechstücken war es der langsame Mittelsatz aus dem vierten Klavierkonzert von Beethoven, der als männliches und weibliches Prinzip im kontrastreichen Dialog zwischen Orchestertutti und Klavier sehr überzeugend in Bewegungsabläufe übertragen wurde. Ein Höhepunkt war die gedankenschwere dramatische Textcollage „Judas, der Verräter“ mit einem herausragenden Petre Smaranda als Satan. Dieser Vorzeige-Eurythmist hat ein sehr markantes Gesicht und eine fast mephistophelische Erscheinung. Milan Tannert konnte als Judas die vielfältigen Gedanken in den Textbeiträgen von Thornton Wilder, Christian Morgenstern, Albert Steffen und dem Johannesevangelium sichtbar machen. Als eine Lichterscheinung ganz in Weiß stellte Severin Fraser sehr würdevoll den Christus dar. Die Sprecher Ursula Ostermai und Rüdiger Fischer-Dorp deklamierten im etwas hochfahrenden Stil der anthroposophischen Sprachgestaltung. Dass das Else-Klink-Ensemble eine gut durchtrainierte Truppe ist, zeigte das titelgebende letzte Stück „SIO“, eine dramatisch-eurythmische Komposition von Gija Kantscheli, die den Zuhörer in ein Wechselbad zwischen Stille und Klangeruption taucht. Das Jade Instrumentalensemble (Dirigent Oliver Hasenzahl) hat diese Klanglandschaft hellwach erkundet. In den Bewegungen der Eurythmisten konnte man ahnen, dass die wunderbare Leichtigkeit errungen und erschwitzt ist.

Rezension 2015

LÖRRACH WO KLANG UND GESTE ZUSAMMENFINDEN

Die Oberbadische, 26.06.2015

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Als Sinfonie in Licht – so erscheint Schuberts „Tragische“ in der Darstellung des Else-Klink-Ensembles. Vier Sätze als bewegte, in Farben getauchte Themen und Motive. Was in der Musik schwingt, will die Eurythmie als Kunst sichtbar machen und durch Bewegung interpretieren. Dabei kommt diese durchaus faszinierende Bewegungskunst zu ganz anderen tänzerischen Lösungen als der zeitgenössische Tanz.

Im voll besetzten Burghof sieht man, was diese besondere Bühnenkunst ausmacht, wo sie heute steht und wohin sie geht. Es ist eine expressionistische Kunst, eine innerlich bewegte Gebärdensprache, bei der Klang und Geste zusammenfinden und Rhythmus und Klänge zu Gesten und Figuren werden. In der Schubert-Sinfonie war das sehr deutlich, was diese Formgestaltung ausmacht.

In Wagners Lohengrin-Ouvertüre mit ihren flirrenden Streichern ergeben sich durch die fließenden Bewegungen der Tänzer, der Kleider und farbigen Tücher und die rhythmischen Schwingungen der Musik, die ständig in ein neues farbiges Licht getaucht werden, interessante tänzerische Effekte. Die vielen jungen Bühnenkünstler sind hier anders als bei Schuberts „Tragischer“ gewandet, gralsmäßiger, die Gestik ist erhabener, auch theatralischer.

Das Gastspiel der bekannten Stuttgarter Eurythmiebühne und des Musikkollegiums Winterthur mit dem abendfüllenden Bühnenprogramm „Kontraste – Klanggeste. Musik und Eurythmie“ wurde durch den Verein zur Förderung der Eurythmie in Lörrach möglich gemacht, der es sich zum Ziel gesetzt hat, der Eurythmie als Bühnenkunst ein größeres Forum zu verschaffen.

„Kontraste“ ist ein experimentelles Programm, in dem diese spezielle Bewegungskunst den Orchesterklang zu einem Bühnengeschehen gestaltet. Dass das nicht nur in tradierten Formvorstellungen abläuft, sondern sich der Resonanzraum auch für Modernes, Zeitgenössisches öffnet, sah man bei Anton Webern (Fünf Sätze op. 5) und dem Gegenwartskomponisten Oscar Strasnoy („Y“ for Orchestra). Hier arbeitet das künstlerische Leitungsteam, das Erfolgsduo Benedikt Zweifel und Carina Schmid, choreografisch weit moderner. Sie lassen neue Bewegungsmodelle und Tanzelemente zu, wie man sie aus dem Tanztheater kennt - aber stets eingebunden in die Ausdruckssprache der Eurythmie.

Zu Weberns hochexpressiver, durchstrukturierter Musik entsteht so analog eine tänzerische Umsetzung zwischen Struktur und Stimmung, bei der diese Miniaturen, die musikalische Gedanken komprimieren, auf der Eurythmiebühne fantasievoll in imaginäre Räume ausgreifen können. So luftig, transparent und filigran wie diese musikalische Geste einer eher hermetischen Tanzkunst, so lichtdurchflutet und durchsichtig waren die Klänge, die aus dem Orchester kamen.

Das Musikkollegium Winterthur, ein traditionsreiches Schweizer Spitzenorchester mit feinster Klangkultur, hat dieses sinfonische Eurythmieprogramm mit subtilsten Klangfarben einstudiert. Orchesterchef Rubén Dubrovsky sorgt am Dirigentenpult wiederum für Kontraste in der Musik, indem er den Stil eines jeden Stückes gut trifft - innerhalb der großen Spannweite des Gesamtkünstlers Richard Wagner bis zur avantgardistischen Klangschöpfung Weberns.

Besonders bei den modernen Stücken ließ der Klangsensualismus der Winterthurer aufhorchen und übertrug sich auf das Bühnengeschehen, sodass es wirklich ein bewegender, kontrastreicher Abend wurde, der zudem zeigte, dass die künstlerische Eurythmie in Bewegung ist.

Rezension 2014

Von Jürgen Scharf

Das Else-Klink-Ensemble gastierte am 25. Mai 2014 mit seinem neuen Programm „Einkehr“ im Burghof Lörrach. "Zwischen der Eleganz des Balletts und den teilweise schon artistischen Formen des modernen Tanzes steht die Eurythmie", mit diesen Worten eröffnete Dr. Erika Hammer für den Verein zur Förderung der Eurythmie e.V Lörrach als Veranstalter die Premiere.

ELSE-KLINK-ENSEMBLE: BENEDIKT ZWEIFEL ALS KÜNSTLERISCHER LEITER

Das bekannte Else-Klink-Ensemble aus Stuttgart unter der Leitung von Benedikt Zweifel zeigte im gut besuchten Burghof zum ersten Mal sein neues Programm "Einkehr" und knüpfte damit an zwei sehr erfolgreiche Vorgängerveranstaltungen an. 35 Tänzer und Musiker, 2 Sprecher und eine Pianistin boten ein farbenreiches Panorama mit Texten und Humoresken von Christian Morgenstern und Musikstücken von Johann Sebastian Bach und anderen Komponisten. Mit diesem Programm wurde 100 Jahre nach seinem Tod daran erinnert, daß Christian Morgenstern als einer der inspiriertesten Dichter seiner Zeit die Fragen des Menschseins wie kein anderer in dichterische Worte zu bringen wußte. Seine Texte leben von einer grossen Innigkeit verbunden mit einer tiefen Fragestimmung nach dem Sinn und Sein des Menschen hier auf der Erde. Der Mensch geht entlang den Herausforderungen der Welt aus sich heraus und betätigt sich nach Kräften, irgendwann drängt sich jedoch die Tätigkeit in sich selbst in den Vordergrund und drängt ihn zur inneren Einkehr.

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